Leben um zu lieben.
Erzählung
von
Salvatore Farina.
IV.
Dm Tag darauf kam der Bürgermeister von Quattrozeri, in aller Form um Mariens Hand anzuhalten. Es war etwas beinahe Ueberslüssiges, aber es war etwas beinahe Nothwendiges; nothwendig vor Allem für die erste communale Autorität des Bezirks, die eifersüchtige Wächterin aller Formen. Der vortreffliche Bürgermeister Alessio durchschritt zu Fuß die Gemeinde Trezeri, nachdem er den Wagen am Eingang zurückgelaffen hatte, um die braven Leute nicht unsanft zu Wecken, welche um diese Stunde ihr Mittagsschläfchen hielten, aber aus das Gepolter eines Wagens, welcher am Wochentage durch den Ort fuhr, im Stande gewesen wären, an die Fenster zu stürzen. Als er an unserem Club vorbeiging, fragten sich Alle: „Wem macht der Bürgermeister von Quattrozeri seinen Besuch?" Der Bürgermeister von Trezeri war eben gekommen, und als er von diesem außerordentlichen Ereigniß erfuhr, hielt er sich verpflichtet, sich hinter dem Herrn Alessio herzumachen, um ihm seine ganze Person, seine ganze Gemeinde oder wenigstens eine Flasche Wein anzubieten . . . Aber kaum hatte er ein paar Schritte gethan, so wandte der Bürgermeister von Quattrozeri sich um, sah nach der Nummer des Hauses, in welchem die deutschen Damen wohnten und verschwand alsbald unter der Thür. So sagte uns der Bürgermeister von Trezeri, als er sich in seine Schale, will sagen in seinen Club zurückzog.
„Was zum Teufel will er bei den Deutschen?"
Die Frage wurde hingeworfen, damit der Arzt sie ausfange; ich aber blieb stumm; dann wollte Einer den Schlauen machen und sagte allen Anderen, die mindestens ebenso viel wußten wie er, daß er schon seit einiger Zeit die täglichen Besuche bemerkt habe, welche der Advocat den deutschen Damen machte. Es war, nach seiner Meinung, nicht schwer einzusehen, daß der junge Mensch in das Mädchen verliebt sei, und wahrscheinlich bedeutete der Besuch des Bürgermeisters von Quattrozeri nichts Anderes als einen Heirathsantrag für den Sohn.