Heft 
(1891) 67
Seite
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Leben um zu lieben.

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Abhang des Hügels kamen, fanden mich nahe bei dem Häuschen in Gesellschaft der Frau des Baciccin. Ich hatte den Kranken noch nicht gesehen, denn wie das arme Weib sagte, war er eben ein wenig eingeschlummert. Ich fragte, ob sie mir gefolgt und die Kinder in der Küche habe schlafen lassen, um sie so viel wie möglich vom Kranken zu entfernen. Es war ihr schwer geworden, und sie wiederholte immer, der Kranke sei doch am Ende der Vater seiner Kleinen; aber aus Gehorsam hatte sie mir den Willen gethan.

Bei der Ankunft der beiden Aerzte erhob sie die Arme gen Himmel, als wollte sie sagen, daß es nun um ihren armen Baciccin geschehen sei.

Meine Kollegen gehörten verschiedenen Schulen an, der eine alt, der andere sehr jung, erfüllt von mikroskopischen Kenntnissen und einer neuen Gelehrsamkeit, bereit die vormaligen Ideen und veralteten Männer zu bekämpfen, von denen er sich nur Hippokrates vorbehielt, weil es ihm gelegen war, ihn in den Diskussionen zu citiren. Das ganze Jahr hindurch in vollkommenem Widerstreit, hatten sie bei der gemeinsamen Bergwanderung sich ein wenig genähert, um übereinstimmend zu verneinen, daß mein Fall wirklich der sei, wofür ich ihn ausgab.

Nachdem vr. Tonto, der alte, mich mit viel Liebenswürdigkeit begrüßt hatte, sagte er mir lachend:Ich weiß, daß Sie der ganzen Bevölkerung von Quattrozeri einen großen Schreck ein gejagt haben."

Und vr. Zucchettini, der junge, setzte ganz ernsthaft hinzu, er fürchte nicht, daß meine Besorgniß begründet sei.

Am ersten Tage hatte ich gewünscht, ein Arzt möge mich in einer Konsul­tation beschämen; aber nun, als ich mir gegenüber dies Jüngelchen sah, das kaum aus der Klinik hervorgegangen war, und diesen Alten, und wie sie Blicke mit einander wechselten, da, ich gestehe es, wünschte ich. mich nicht getäuscht zu haben.

Ohne eine Silbe zu erwidern, ersuchte ich mit einem Blick meine Kollegen, voran zu gehen; sie hingegen gaben mir die Ehre zurück, und ich betrat als Erster den Raum zu ebener Erde, wo Baciccin lag.

Und zu meinem Glück ging es dem Aermsten schlimmer, als am Abend zuvor. Meine Kollegen stimmten meiner Diagnose schweigend bei, während Baciccin die Augen aus uns heftete, um uns, einen nach dem andern, auszuforschen; er schien sagen zu Wollen:Ist noch irgendwelche Hoffnung für mich?"Nein, armer Baciccin, es ist wirklich keine mehr; befiehl Deine Söele dem Schöpfer ..." Das wäre eine ehrliche und grausame Antwort gewesen; statt dessen, ohne uns mit ihm zu beschäftigen, discutirten wir seinen Fall, nur um ihn wissenschaftlich festzustellen.

Baciccin hörte unsere Reden mit an, ohne zu seinem Glück eine Silbe da­von zu verstehen, und nur, als wir uns anschickten, ins Freie hinauszugehen, weil die Luft in der Stube schlecht war, stieß er einen langen Seufzer aus, weil er ein Recept haben wollte.

Ich stellte ihn zufrieden, indem ich ihm einen Trank verordnete, in welchem ein paar Tropfen Laudanum und ein wenig Campher waren, und sagte ihm, um zu genesen, sei es durchaus nothwendig, ins Hospital zu gehen. Der Bürgermeister von Trezeri hatte das Seinige gethan, indem er uns nach der Consultation eine Tragbahre und die drei Krankenwärter des Lazareths vorfinden