Heft 
(1894) 82
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Deutsche Rundschau.

ist in diesem Zusammenhänge kein gutes Wort. Also selber schuld, und es soll nicht wieder Vorkommen, so weit ich's hindern kann. Aber auch Dm wenn ich Dir rathen dars, sei aus Deiner Hut. Er ist ein Mann der Rück­sichtslosigkeiten und hat so seine Ansichten über junge Frauen. Ich kenne ihn von früher."

Ich werde mir Deine Worte gesagt sein lassen. Nur so viel, ich glaube. Du verkennst ihn."

Ich verkenne ihn nicht."

Oder mich," sagte sie mit einer Kraftanstrengung und versuchte seinem Blicke zu begegnen.

Auch Dich nicht, meine liebe Esst. Du bist eine reizende kleine Frau, aber Festigkeit ist nicht eben Deine Specialität."

Er erhob sich, um zu gehen. Als er bis an die Thür gegangen war, trat Friedrich ein, um ein Gieshübler'sches Billet abzugeben, das natürlich an die gnädige Frau gerichtet war.

Esst nahm es.Eine Geheimcorrespondenz mit Gieshübler," sagte sie; Stoff zu neuer Eifersucht für meinen gestrengen Herrn. Oder nicht?"

Nein, nicht ganz, meine liebe Esst. Ich begehe die Thorheit, zwischen Crampas und Gieshübler einen Unterschied zu machen. Sie sind so zu sagen nicht von gleichem Karat; nach Karat berechnet man nämlich den reinen Goldeswerth, unter Umständen auch der Menschen. Mir persönlich, um auch das noch zu sagen, ist Gieshübler's Weißes Jabot, trotzdem kein Mensch mehr Jabots trägt, erheblich lieber als Crampas' rothblonder Sappeurbart. Aber ich bezweifle, daß dies weiblicher Geschmack ist."

Du hältst uns für schwächer, als Wir sind."

Eine Tröstung von praktisch außerordentlicher Geringfügigkeit. Aber lassen Wir das. Lies lieber."

Und Esst las:Dars ich mich nach der gnäd'gen Frau Befinden er­kundigen? Ich weiß nur, daß Sie dem Schloon glücklich entronnen sind: aber es blieb auch durch den Wald hin immer noch Fährlichkeit genug. Eben kommt vr. Hannemann von Uvagla zurück und beruhigt mich über Mirambo; gestern habe er die Sache für bedenklicher angesehen, als er uns habe sagen wollen, heute nicht mehr. Es war eine reizende Fahrt. In drei Tagen feiern wir Sylvester. Aus eine Festlichkeit, wie die vorjährige, müssen wir verzichten; aber einen Ball haben wir natürlich, und Sie erscheinen zu sehen, würde die Tanzwelt beglücken und nicht am wenigsten Ihren respectvollst er­gebenen Alonzo G."

Effi lachte.Nun, was sagst Du?"

Nach wie vor nur das Eine, daß ich Dich lieber mit Gieshübler als mit Crampas sehe."

Weil Du den Crampas zu schwer und den Gieshübler zu leicht stimmst."

Jnnstetten drohte ihr scherzhaft mit dem Finger.

Drei Tage später war Sylvester. Effi erschien in einer reizenden Ball­toilette, einem Geschenk, das ihr der Weihnachtstisch gebracht hatte; sie tanzte