Meine persönlichen Erinnerungen an Anton Rubinstein.
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denken numerisch verzeichnet. Ich will Einiges, was besonders charakteristisch snr seine Genauigkeit und sein seines Empfinden ist, hier mittheilen.
Alttestamentarisches Schäferspiel? Idyll? Bühnenspiel?
Ein Sch äserspiel (Pastorale) scheint mir das Stück nicht gut zu nennen, da es zu viel in Palästen und Städten spielt — Oper möchte ich es auch nicht nennen — also wie?
„Wo mein Liebster blieb" — wäre nicht „mein Freund" poetischer?
„Wie eine Rose unter Dornen
So bin ich unter der Mädchen Zahl —"
klingt eigentlich selbstbewußt — in der Bibel heißt es: „So ist meine Freundin unter den Töchtern," also in der dritten Person! —
Im ersten Chor heißt es: „Der König führt Dich in sein Schloß zu still verschwiegener Feier," ist das nicht etwas ln8eiv?
„Die Schuhe zog ich ans, ich bin im Nachtgewand" — wie ist das für die Bühne und besonders für die Flucht? sie hat doch keine Zeit gehabt, sich anzu- ziehcn! ?
Ein Ausruf im Sinne des „Juchhe!" aber im althebräischen Gewände ist für den ersten Chor nöthig.
Ist die Bezeichnung Harem für das hebräische Leben annehmbar?
Wegen dieser beiden letzten Fragen wußte ich mir keinen anderen Rath, als mich an den besten Kenner der semitischen Sprachen und Literaturen, Herrn Professor vr. Theodor Nöldeke in Straßburg, zu wenden, der uns denn auch bereitwilligst Auskunft gab:
Rein prosaisch betrachtet, paßt m. E. der Ausdruck „Harem" durchaus für Salomo, sogar schon für seinen Vater (ekr. z. B. 2 Sam. 16, 21). Die Frage ist nur, ob das Wort an der betreffenden Stelle nicht ästhetischen Anstoß gibt, da dasselbe ans die occidentalischen Hörer leicht einen nicht beabsichtigten Eindruck machen könnte. Insofern bin ich, so weit ich, ohne den Zusammenhang zu kennen, urtheilen darf, für eine Umschreibung. In einer historischen Darstellung würde ich ohne Bedenken von Salomo's Harem sprechen, und zwar ohne damit irgend einen tadelnden Nebensinn zu verbinden. Daß ein Fürst eine ganze Anzahl Weiber hatte, war einfach standesgemäß. — Ihren Widerwillen gegen das „Juchhe!" theile ich, habe mich aber vergeblich im Alten Testament nach einem anderen passenden Ausruf umgesehen. Ein üeall (nr;n), das als Freuden-, aber auch als Schmerzenslaut im A. T. vorkommt, geht nicht. — Ich finde als Freudenruf beim Keltern im Syrischen Mat (nach anderer Aussprache Mot, beides zweisilbig); aber das sieht doch wohl zu fremdartig aus. — Sollte nicht das Zweckmäßigste sein i—o, 1—6? Das ist (tm) im Griechischen das beliebteste Ausrusswort in Freude und Schmerz, auch von den Römern adoptirt, und ein so einfacher Naturlaut paßt in jedes Land.
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