Heft 
(1894) 82
Seite
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Der Tod des Patroklos.

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des Gedichtes ist er ohne Bedeutung. Aber sein Dasein hat etwas Unvergeß­liches. Wir müssen, um des völligen Umsanges seiner Existenz inne zu wer­den, noch in den sechzehnten Gesang uns wieder zurück versehen, wo Homer erzählt, wie Euphorbos Patroklos angriff, und in den zwölften, wo Hhperenor umkommt.

Ich hatte im sechzehnten Gesänge Patroklos' Tod nur im Auszuge erzählt und hole das Ausgelassene nun nach. Um Patroklos handelt es sich, wie er nach dem Schlage Apoll's dastand:

Bon dm Schultern fiel ihm der Schild zu Boden,

Und es rissen des Panzers feste Banden,

Und wie betäubt stand er: da traf ihn ein Speer Zwischen die Schultern, den ein dardanischer Krieger Nach ihm zückte: Euphorbos, Panthos' Sohn,

Ter im Kampf mit der Lanze, und mit den Rossen,

Und im Fluge der Füße die Genossen

Weit übertraf, die den Krieg mit ihm erlernten.

Zwanzig Andere hatte im Streit der Wagen Er mit den flüchtigen Pferden übereilt:

Ter zuerst, o ritterlicher Patroklos,

Stach mit der Lanze nach dir und doch, weil du fest

Unerschütterlich standest, zog er sie wieder

Dir aus dem nackten Fleische, um zu entweichen.

Jetzt also, wo Euphorbos zurückkehrt, um die Rüstung des Patroklos zu holen, den er so hinterlistig beinahe, wie Diomedes den Rhesos einst, des Lebens beraubte, ereilt die Rache ihn. Nun aber, was seinem Bruder Hhperenor widerfuhr.

Am Schlüsse des vierzehnten Gesanges wurden fast katalogisch Trojaner ausgesührt, welche im Kampfe verloren gingen, unter ihnen Hhperenor, bei dem Homer, hier ohne sichtbaren Grund, erzählt, an welcher Stelle Agamemnon's Lanze ihn traf:

Doch der Atride stach dem Hhperenor Unter den Rippen in die Eingeweide,

Daß ihm Dunkel die Augen überdeckte,

Und die Seele ihm aus der Wunde herausflog.

Warum diese Details dort bei einem unbekannten Krieger, von dem Wir, wie es scheint, nie wieder hören werden? Erst im siebzehnten Gesänge, beim Tode des Euphorbos, wird die Frage beantwortet. Jene Verse des vierzehnten Gesanges bildeten den Eingang einer Tragödie. Schon im dritten Gesänge erwähnte Homer den Panthos als einen der Greise, vor denen Helena über dem Mischen Thore erschien (aus dem der Weg nach Dardania führte). Und auch der in vielen Gesängen handelnd eintretende Polydamas, der neben Hektar eine so bedeutende Stelle einnahm, war ein Sohn des Panthos, und ich ver­misse in den späteren Gesängen der Ilias die Stelle, wo auch sein Untergang erzählt wird.

Die Frage ist freilich, ob Homer die Tragödie des Panthos und seiner Söhne nicht absichtlich ohne Abschluß ließ. Es liegt im Charakter des Poly-

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