Jäh zu sich emporgerissen, so daß der sonst wenig Beachtete plötzlich als von allen Männern der Beherzteste an der ersten Stelle stand. Vielleicht war er auch für diese Tat vorbestimmt durch den Besitz eines besonders leistungsfähigen Pferdes.
Der vergrabene Silberschatz ist nie wieder ans Licht gekommen. Ja, auch wir Peters hatten einst in der Familie einen Mann, der— wie es in düstern Geschichten feierlich lautet—„sein Geheimnis mit ins Grab genommen hat“. Es klingt gut, vom vergrabenen und bis heute unaufgefundenen Silberschatz der Familie zu reden, wenn auch nur ein paar Löffel verlorengegangen sind.
Ich ließ aber diesen Vorfahren um so williger in seinem halbmythischen Licht stehen, als ich das Auftauchen eines Peters auf der welthistorischen Bühne trotz der Bescheidenheit seiner Rolle im innersten Herzen doch als eine Ungehörigkeit empfinden mußte, als eine Vermessenheit, die uns nicht wohl ansteht. Der wirkliche Ahn blieb doch unser Großvater in Vollstedt.
Der hatte Nortorf verlassen und sich 1847 im Emkendorfer Gutsbezirk angesiedelt. Wenn man von Eintragungen in die Kir-. chenbücher absehen will, so trat mit ihm erst die Geschichte der Familie in das Zeitalter der urkundlichen Beglaubigung, und aus dem Jahre 1847 konnte er ein Schriftstück vorweisen, das in meinen Augen großes Gewicht hatte:„Wir, Christian der Achte, von Gottes Gnaden König zu Dänemark, der Wenden und der Gothen, Herzog zu Schleswig, Holstein, Stormarn, der Dithmarschen und zu Lauenburg, wie auch zu Oldenburg etc. etc. Thun hiemit kund, daß Wir, auf gesehenes alleruntertänigstes Ansuchen concedieret und bewilligt haben, wie Wir auch hiemit und kraft dieses allergnädigst concedieren und bewilligen, daß
JÜRGEN CHRISTIAN PETERS das Böttcherhandwerk in dem adeligen Gute Emkendorf gegen Erlegung einer jährlichen Recognition von zwei Reichsbankthalern ungehindert treiben und sich und den Seinigen dadurch den nötigen Unterhalt zu erwerben suchen möge.“
Auf Dinge, die„urkundlich und unter Unserem vorgedruckten Königlichen Insiegel“ vorliegen, läßt sich das Selbstbewußtsein verläßlicher gründen als auf unsichere Erzählungen aus grauer Vorzeit. Adeln nicht diese Sätze, deren Gang halb altmodischgeziertes Trippeln, halb majestätisches Schreiten ist, ein wenig
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