Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1958) Prosa
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen

ist herbeigeschafft worden und hängt dort über offenem Herd­feuer. Der Schleifstein hinterm Hause ist des Dreibocks beraubt, auf dem er sonst ruht. Der Dreibock wird dem wartenden Zwerg vor den Leib geschoben. Schon trägt er auch den Zuber mit der Preßvorrichtung, und der ganze Aufbau reicht dem Zwerg bereits ans Kinn. Die Bütte zum Auffangen steht an ihrem Ort. Am Boden liegt der Preßbalken bereit, auch er nun sonderbar ver­wandelt und ins Hochbedeutende verklärt. Ihm bin ich im Laufe des Jahres öfters auf dem Holzplatz am Redder begegnet. Dort lag er, unscheinbar, an seiner Oberfläche von Wind und Wetter schon stark mitgenommen, spakig geworden. Wäre ihm ein Un­kundiger mit der Axt nahegekommen, so hätte er sich verlocken lassen können, ihn vor dem völligen Vermodern haushälterisch zu Brennholz zu zerschlagen. Das runde Holz trug aber am einen Ende eine sorgfältig abgeplattete Stelle, und sie hätte dann den platten Nützlichkeitsapostel vor dem immer möglichen geheimnisvollen Berufensein auch des Unscheinbaren erschauern lassen müssen.

Alle Gerätschaften sind.herbeigeschafft, und nun heißt es: warten! Ach, das Warten ist Kindern wohl eine arge Zumutung. Wenn man es aber recht bedenkt, darf es als Würze dem Fest nicht fehlen. Endlich heben Vater und Mutter mit großer An­strengung den Kupferkessel vom Feuer und tragen ihn an den Zuber heran. Jetzt wird es Ernst. Der Zwerg schiebt etwas ver­ängstigt sein klotziges Kinn vor, teils aus Neugierde, teils um seine Halswirbel schnell noch einmal durchzuprobieren. Denn auf Kinn und Halswirbel wird es jetzt ankommen.

Der Vater gibt ein paar kurze Anweisungen. Durch aufwallen­den Dampf wird für einen Augenblick ein grobmaschiger grauer Sack sichtbar, der auf vier haltbaren Knüppeln schnell und kunstfertig hinübergehoben wird in den Zuber. Ist er zurecht­gekantet, so legt sich der Deckel darüber. Das Zwergengesicht ist hinter dem Aufbau fast ganz verschwunden. Dies alles ist sehr

schnell geschehen. Anstrengung und gesammelte Aufmerksam­

keit lassen Vater und Mutter sehr ernst aussehen. Nun heben sie den Preßbaum auf, schieben sein abgeplattetes Ende dem Zwerg unter das Kinn. Von dort verläuft er nun über den aufragenden Holzbügel des Preßzubers schräg nach oben, so daß er mit dem andern Ende fast die Decke berührt. 3

136